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Onur Cebeci • 09.03.2026

Neue Domain-Validierungsmethode vereinfacht Zertifikatsmanagement

DNS-Validierung mit Persistentem Value – definiert und zulässig ab November 2025 (Ballot SC-088v3).

Letzte Aktualisierung: 28. September 2026

  

  

Relevanz für Zertifikatsnutzer

★★☆☆☆ (2/5) - steigt auf ★★★★☆ (4/5) bis 2029 

Betroffene Nutzer

Organisationen mit automatisierter Zertifikatsausstellung (MPKI, CLM-Plattformen), besonders relevant ab 2029

Betroffene Zertifikatstypen

TLS (DV, OV, EV) und S/MIME Zertifikate

Implementierungsaufwand

★★☆☆☆ (2/5). Einmaliges DNS-Setup pro Domain

Status CA/B Forum

SC-088v3 (Server Certificate) verabschiedet 9. Oktober 2025, in Kraft 11. November 2025

Status SwissSign

  • Seit 17. August 2026 verfügbar
  • Revalidierung der Domain alle 8 Tage erforderlich

Deadline für Zertifikatsnutzer

Keine (optionale Methode)

Links

Zusammenfassung

Certificate Authorities dürfen eine neue Domain-Validierungsmethode nutzen, die DNS TXT Records mit unveränderlichen Werten verwendet. Im Gegensatz zu bisherigen DNS-Validierungen müssen Zertifikatsnutzer den DNS Record nur einmal erstellen und können ihn für alle zukünftigen Domain-Validierungen wiederverwenden. Gemäss CA/Browser Forum dürfen CAs diese Informationen zur Domain-Validierung für maximal 10 Tage wiederverwenden. Die Pflicht zur Implementierung liegt bei den CAs — Zertifikatsnutzer, die die Ausstellung ihrer Zertifikate automatisieren (z.B. mit SwissSign Managed PKI), erhalten damit einen einfacheren Weg zur Validierung ihrer Domain.

DNS-Validierung: Was ändert sich konkret?

Certificate Authorities können seit 11. November 2025 für die Domain-Validierung eine neue Methode nach Section 3.2.2.4.22 «DNS TXT Record with Persistent Value» nutzen. CAs erstellen einen Token, den Nutzer in ihrem DNS platzieren. CAs dürfen diese Informationen zur Domain-Validierung für maximal 10 Tage wiederverwenden. Anders als bei den herkömmlichen Methoden muss also nicht für jede Domain-Validierung ein neuer TXT-Record mit Random Value platziert werden. Die Validierungsfrequenz entspricht bereits den Vorgaben, die ab März 2029 generell für die Domain-Validierung gelten werden.

Die TLS Baseline Requirements wurden angepasst auf v2.1.9.

Handlungsbedarf für Zertifikatsnutzer

Für Organisationen mit 250+ Zertifikaten

Betroffenheit: Mittel bis Hoch (steigt ab 2026)

Wenn Sie automatisiertes Zertifikatsmanagement nutzen (Managed PKI, ACME, REST APIs, CLM-Plattformen): Die neue Methode ist bereits heute praktisch. Während andere Methoden bei jeder Domain-Validierung eine Änderung erfordern, ermöglicht Persistent DNS der CA die Wiederverwendung der Domain-Validierungsinformationen, ohne dass Sie den DNS anpassen müssen.

Wenn Sie strikte DNS Change-Management-Prozesse haben: Persistent DNS ist ideal - einmalige DNS-Änderung statt mehrfach jährlich.

Wenn Sie viele Domains verwalten: Der administrative Aufwand sinkt drastisch. 100 Domains × 4 Validierungen pro Jahr = 400 DNS-Änderungen mit anderen Methoden vs. 100 einmalige Einrichtungen mit Persistent DNS.

Vorbereitung auf 2029: Ab 2029 sinkt die maximal erlaubte Laufzeit für TLS/SSL-Zertifikate auf 47 Tage und die Informationen über die Domain-Inhaberschaft dürfen nur maximal 10 Tage wiederverwendet werden. Mit Persistent DNS sind Sie bereits vorbereitet.

Risiken bei Untätigkeit: Spätestens 2029 wird manuelles DNS-Management zunehmend unmöglich. Mit Persistent DNS sind Sie bereits heute vorbereitet und sparen DNS-Änderungen. Organisationen, die erst 2029 umstellen, müssen dann unter Zeitdruck hunderte DNS Records migrieren.

Für kleinere Organisationen (<250 Zertifikate)

Betroffenheit: Niedrig bis Mittel

Für manuelle Workflows mit seltenen Zertifikatsausstellungen und unkritischem DNS-Management bleibt der Nutzen begrenzt bis 2026/2027.

Implementierung bei SwissSign

Diese neue Validierungsmethode ist seit dem 17. August 2026 verfügbar. Sie bietet Kunden eine höhere DNS-Sicherheit und genügend Zeit, sich auf kürzere Laufzeiten vorzubereiten. Um eine Sicherheitsmarge zu gewährleisten, wie es bei Certificate Authorities üblich ist, verwendet SwissSign die Informationen zur Domain-Validierung für einen Zeitraum von maximal 8 Tagen wieder.

Hintergrund zum Ballot: Reduktion operativer Komplexität

Aktueller Stand: Bei Zertifikatslaufzeiten von mehr als einem Jahr bedeutet das manuelle Management von DNS-Einträgen einen vertretbaren Aufwand für die meisten Organisationen.

Problem/Treiber: Die Fristen für die Wiederverwendbarkeit von Domain-Validierungsinformationen werden in den kommenden Jahren deutlich verkürzt, dies mit dem Ziel, die Sicherheit des gesamten öffentlichen PKI-Ökosystems zu stärken:

  • Per 15. März 2026 sinkt die maximale Wiederverwendbarkeit auf 200 Tage

  • Per 15. März 2027: maximal 100 Tage

  • Per 15. März 2029: maximal 10 Tage

Kontext: Die neue Methode löst dieses Problem: der DNS Record wird einmalig erstellt und bleibt permanent. Die CA verwendet die Informationen zur Domain-Validierung für einen Zeitraum von maximal 10 Tagen wieder, ohne dass der Nutzer die DNS-Einträge aktualisieren muss. Dies macht die Methode bereits heute wertvoll und essentiell für 2029.

Grundlagen zur DNS-basierten Domain-Validierung

Was ist DNS-basierte Domain-Validierung (bisherige Methoden)?

DNS-basierte Domain-Validierung ist eine Methode, bei der die CA prüft, ob der Antragsteller Kontrolle über die DNS-Zone einer Domain hat:

  • CA generiert einen zufälligen Token oder fordert einen Request Token an

  • Antragsteller erstellt DNS TXT Record mit diesem Token

  • CA fragt den DNS Record ab und validiert den Token

  • Nach erfolgreicher Validierung kann der Record gelöscht werden

  • Bei jeder Domain-Validierung wird dieser Prozess mit einem neuen Token wiederholt

Diese Methode existiert in verschiedenen Varianten (DNS-01 Challenge für ACME, DNS Change Method 3.2.2.4.7, etc.).

Was ist die Validierung mit DNS TXT Record mit Persistent Value (neue Methode)?

Die neue Methode funktioniert ähnlich, aber mit für einen Zeitraum von maximal 10 Tagen wiederverwendbaren Records, die durch die Certificate Authority revalidiert werden.

Sicherheit:

  • Der Issuer Domain Name verhindert, dass andere («böse») CAs den gleichen Record missbrauchen können

  • Die Account-URI stellt sicher, dass nur der rechtmässige Kunde Zertifikate ausstellen kann

  • Die 10-Tages-Höchstgrenze reduziert das Risiko bei Domain-Übernahmen

Was ist eine Account-URI?

Die Account-URI ist eine eindeutige Kennung (im URI-Format), die SwissSign jedem Kunden-Account zuweist.

Diese URI dient als Autorisierungsnachweis: Nur wer sowohl Zugriff auf die DNS-Zone hat UND die korrekte Account-URI kennt, kann Zertifikate ausstellen lassen. Ein Angreifer, der nur die DNS-Zone kompromittiert, kann ohne die Account-URI keine Zertifikate erhalten.

Häufige Fragen (FAQ)

Nein. Dies ist eine optionale neue Validierungsmethode. Alle bisherigen Methoden (HTTP-01, DNS-01 mit Random Value, Constructed Email usw.) bleiben vollständig verfügbar und funktionieren unverändert.

Sie können für jede CA einen separaten DNS TXT Record erstellen. Die Records werden durch den Issuer Domain Name unterschieden, so dass jede CA nur ihren eigenen Record validiert. Mehrere TXT Records für den gleichen Namen sind in DNS erlaubt und werden alle zurückgegeben.

Ja. Die Persistent DNS Methode unterstützt Wildcard-Zertifikate (z.B. *.example.com). Einmal validiert, kann die CA auch Zertifikate für andere FQDNs ausstellen, die mit allen Domain Labels des validierten FQDN enden — genau wie bei anderen DNS-basierten Methoden.

DNS records nach der neuen Methode müssen nicht mehr manuell durch den Nutzer erneuert werden. Optional lässt sich das Attribut persistUntil ergänzen — ein optionaler Parameter im TXT-Record der neuen «DNS TXT Record with Persistent Value DCV » Methode. Es gibt an, bis wann die CA diesen Validierungs-Record als gültig betrachten darf. Wird dieser Parameter nicht angegeben, gilt der Record als «ohne Ablaufdatum» und wird durch die CA mindestens alle zehn Tage revalidiert.

  1. Erstmalige Validierung einer Domain: Wenn Sie Ihre Domain zur Validierung hinzufügen, werden die beiden verfügbaren Methoden DNS Change und DNS Persistent für MPKI als Optionen angezeigt. Wählen Sie DNS Persistent und folgen Sie den vorgegebenen Schritten.
  2. Revalidierung einer Domain mit der neuen DNS-Persistent-Methode: Falls Ihre Domain bereits mit DNS Change validiert wurde und Sie neu DNS Persistent verwenden möchten, fügen Sie dieselbe Domain erneut zur Validierung hinzu. Die neue Methode wird dann als Option angezeigt.

Folgen Sie den in den Validierungsanweisungen aufgeführten Schritten, um Ihre Domain mit der neuen DNS-Persistent-Methode zu validieren.

→ Download Screenshot (PNG Format)

Ja, wenn Sie fortlaufend neue Zertifikate ausstellen. Andernfalls müssen Sie den persistenten Wert nur vor der Ausstellung eines neuen Zertifikats überprüfen. Der Vorteil von DNS Persistent besteht darin, dass Sie den DNS TXT Record nicht jedes Mal im DNS aktualisieren müssen.

Mit diesen zwei kostenlosen Tools:

  1. dig: Gibt den aktuellen DNS TXT Record aus — prüfen Sie, ob Format und Werte korrekt sind

  2. DNS Checker: Zeigt DNS-Propagation weltweit an — stellen Sie sicher, dass der Record überall sichtbar ist

Ja, denn auch für S/MIME-Zertifikate muss die Inhaberschaft der verwendeten Domain nachgewiesen werden. Die Section 3.2.2.1 der S/MIME-Regulierung verweist auf Section 3.2.2.4 der TLS-Regulierung.

Ja. Alle TLS/SSL-Zertifikate (DV, OV, EV) benötigen Domain-Validierung gemäss Section 3.2.2.4. Die neue Methode kann für die Domain-Validierung jedes TLS/SSL-Zertifikats verwendet werden (die Wiederverwendbarkeit der «Subject Identity Information» sinkt ebenfalls im Zuge der Laufzeitenanpassung). OV- und EV-Zertifikate benötigen zusätzlich Organisationsvalidierung, aber die Domain-Validierung funktioniert identisch.